Glücksrevue vom 10.02.2012 Wie konnte das nur passieren?

Die Krankenschwester stand direkt daneben, als Franz-Gerhard aus dem Fenster in den Tod fiel

Beate S. verlor ihren Mann unter tragischen Umständen - und kämpft bereits seit sechs Jahren gegen eine Klinik, die sich vor der Verantwortung drückt

Sechs Jahre ist es nun her, dass ihr Mann im Krankenhaus aus dem Fenster stürzte und dann an seinen Verletzungen starb. Seitdem bestimmt die Einsamkeit die Tage von Beate S. (70). „Franz-Gerhard und ich waren 44 Jahre verheiratet. Wir beide hatten ein erfülltes Leben, haben uns geliebt und gemeinsam unsere zwei behinderten Söhne versorgt. Wir freuten uns über unsere Tochter Birgit und deren Familie. Wir hatten alles, was wir wollten - bis dieses Unglück alles zunichtemachte.“

Die Vorgeschichte: Im November 2005 verspürte Franz-Gerhard urplötzlich Schmerzen in der Brust. „Deshalb vereinbarte er einen Termin bei einem Spezialisten.“ Doch den konnte er nicht mehr wahrnehmen. Als er eines Tages mit dem Fahrrad zum Markt fuhr, bekam der 66-Jährige Herzflimmern und stürzte. Rettungssanitäter mussten ihn wiederbeleben, brachten ihn dann ins Marien-Hospital nach Wesel (Niederrhein). „Dort versetzten ihn die Ärzte für kurze Zeit in ein künstliches Koma. Als Franz daraus aufwachte, war er verwirrt. Die Ärzte machten mir wenig Hoffnung auf Besserung, weil sein Gehirn nach dem Sturz zu lang nicht mit Sauerstoff versorgt wurde.“ Zwischendurch hatte Franz aber auch klare Momente: „In denen sagte er immer, dass wir es zusammen schon schaffen würden.“

Auch am 25. November 2005 war der Patient ansprechbar. „Als ich um 19 Uhr nach Hause fahren wollte, verabschiedete er mich vor seinem Zimmer“, erinnert sich Beate S. Was danach passierte ist in einem Protokoll nachzulesen: Um 21.15 Uhr reifen Mit-Patienten eine Krankenschwester, weil Franz S. unbedingt nach Hause zu seiner Familie wollte. „Er war offensichtlich verwirrt, die Krankenschwester sollte ihn beruhigen“, erklärt Beate. „Angeblich hat sie das Fenster geöffnet und zu meinem Mann gesagt: ,Schauen Sie mal, Sie können nicht nach Hause. Draußen ist es zu kalt.´ Wie Franz es dann schaffte, ans offene Fenster zu kommen und hinauszufallen, ist nicht so ganz klar. Die Krankenschwester versuchte wohl noch, ihn festzuhalten, erwischte aber nur ein Stück seines Schlafanzugs, der daraufhin zerriss.“ Franz stürzte metertief in eine Baugrube, verletzte sich dabei schwer. Um 22.15 Uhr - so steht es im Totenschein - war er tot!

Wie lange musste Franz-Gerhard leiden?


Beate S. hat die Klinik auf Schmerzensgeld verklagt. Für sich und ihren toten Mann. Unterstützt wird sie von den Arzthaftungsexperten Stefan Hermann (46) und Sabrina Diehl (30) aus Marl. Die beide Anwälte haben zu dem Fall eine klare Meinung: „Es ist ein Skandal! Herr S. war in einem Krankenhaus, stand unter ärztlicher Aufsicht. Trotzdem war es möglich, dass er vor den Augen der Krankenschwester erst auf einen Stuhl steigen, dann auf den Tisch und aufs Fensterbrett klettern und hinausfallen konnte. Warum hat sie ihn nicht dran gehindert? Wie konnte das passieren?“

Unverständliche Rechenspiele

Das Gerichtsverfahren zieht sich nun schon seit mehr als sechs Jahren hin. „Die Versicherung der Ärzte bestreitet, dass Franz-Gerhard erst eine Stunde nach dem Sturz gestorben ist, obwohl die Ärzte den Todeszeitpunkt selbst so festgelegt hatten. Nach Meinung der Versicherung sei er sofort tot gewesen, demnach müsse das Schmerzensgeld niedriger ausfallen“, erklärt Anwalt Hermann.

Die Rechenspiele sind für die Angehörigen nur schwer zu ertragen. „Mir geht es nicht ums Geld“, betont Beate S., „ich will Gerechtigkeit für meinen Mann! Alles Geld der Welt würde ich hergeben, wenn er noch am Leben und bei mir wäre.“
 

Bild.de vom 09.02.2012 - Staatsanwalt ermittelt gegen Schönheitspapst Mang

Kempten Unschönes vom Schönheitspapst! Die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelt gegen Beauty-Guru Professor Werner Mang (62), den Chef der bekannten Bodensee-Klinik.

„Wir ermitteln wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung, gehen dabei derzeit von 274 Operationen aus“, so die Kemptener Staatsanwältin Katrin Eger (31).

Die Juristin: „Es waren Operationen, wie sie zum normalen Geschäftsbetrieb einer solchen Klinik gehören.“ Also Vergrößerungen, Verkleinerungen, Korrekturen...

Professor Mang hält die Vorwürfe für unbegründet. Sie bezögen sich auf keinerlei Behandlungen oder gesundheitliche Schäden von Patienten, teilte die Bodensee-Klinik mit.

Es gehe ausschließlich um die juristische Frage, ob der „erfahrene Facharzt für Plastische Chirurgie“ eine ausreichende behördliche Erlaubnis hatte. Klinik-Anwalt Steffen Ufer geht davon aus, dass die Ermittlungen in Kürze eingestellt werden.

Worum geht es konkret?

In Mangs Klinik soll ein 65-jähriger Mediziner ohne Approbation, also die nötige öffentlich-rechtliche Zulassung, eigenständig operiert haben. Der Mann verfügt über langjährige Erfahrung als Arzt, hat laut Staatsanwaltschaft sogar einen Doktortitel. Die Approbation sei ihm nach einem juristischen Verfahren, das nicht unmittelbar mit seiner Arzt-Tätigkeit zusammenhängt, aberkannt worden.

Weil er mit dem Skalpell arbeitete, werden die Vorwürfe als gefährliche Körperverletzung gewertet. Nach dem Ex-Operateur wird mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Die mögliche Höchststrafe: 10 Jahre Haft.

Jetzt könnte es auch für dessen ehemaligen Chef Mang eng werden. Denn die Staatsanwaltschaft Kempten geht davon aus: „Als Leiter der Einrichtung hat er diese Praxis gefördert.“

Was die betroffenen Patienten beruhigen könnte: „Es gibt derzeit keine Erkenntnisse darüber, ob bei den Eingriffen auch etwas schiefgelaufen ist.“

BILD.de fragte in der Bodensee-Klinik nach. „Der Arzt legte uns bei der Bewerbung eine Schweizer Zulassung vor und teilte mit, dass er für Deutschland eine beschränkte Erlaubnis zur Operation unter Aufsicht habe“, heißt es in der Stellungnahme.

„Er führte dann auf Probe bei uns als Hospitant unter Aufsicht 15 Eingriffe erfolgreich durch, bevor er seine Operationszulassung als angestellter Arzt zum 1. Mai 2009 zurückerhalten hat."

Weder der Verwaltung der Bodenseeklinik noch Prof. Mang sei vor diesem Hintergrund der geringste Vorwurf zu machen.

Werner Mang gab der Schönheitschirurgie in Deutschland buchstäblich ein Gesicht. Der Sohn eines Forstdirektors schlug schon als Kind seinen Weg ein. Als Schüler formte er lieber Gesichter und Formen statt Flugzeuge zu basteln. Mit 24 Jahren, so schreibt er auf seiner Homepage, schloss er das Studium mit der Prädikatsnote „1a“ ab, schob seinen Doktortitel direkt hinterher, dann die Professur.

In Lindau erfüllte er sich mit Gründung der Bodensee-Klinik seinen Lebenstraum. Seine Hobbys: Tennis, Golf, Ski, schnelle Autos, Harley Davidson. Seine Lieblingsband: die Rolling Stones.

Aber jetzt brachte der falsche Chirurg Steine ins Rollen, die Mang echte Probleme bereiten könnten. Neben einem Strafprozess drohen auch Zivilklagen der Ex-Patienten.

Arzthaftungsexperte Stefan Hermann (46) sagte BILD.de: „Die Patienten könnten alle 30 bis 50 000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz geltend machen. Ihr Vertrauensverhältnis wurde auf das Übelste zerstört. Wer sich einem Facharzt anvertraut, muss sich darauf verlassen können, dass der Operateur alle Zulassungen hat. Außerdem müssen den Opfern die OP-Kosten erstattet werden.“

Auf einen Blick vom 02.02.2012 "Ärzte haben mein Bein auf dem Gewissen"

Für einen Routine-Eingriff ging Maja Strube (28) ins Krankenhaus. Jetzt sitzt die junge Frau im Rollstuhl

Es begann mit Schmerzen im Knie. „Beim Umsetzen einer korpulenteren Patientin verdrehte ich mir das linke Bein“, sagt Maja Strube aus Bochum. Die examinierte Physiotherapeutin biss damals die Zähne zusammen und ging weiter ihrem Traumjob nach. „Ich war ja in der Probezeit und wollte mich noch beweisen“, erklärt die 28-Jährige. Doch die Schmerzen im Knie wurden schlimmer.  In einer Bochumer Klinik ließ sich die junge Frau schließlich untersuchen. Die Diagnose: Vorderkreuzbandriss. Eine Operation war unvermeidbar.

„Der Arzt erklärte mir, er würde eine Sehne meines linken Oberschenkels entnehmen, um eine Kreuzbandplastik aufzubauen“, berichtet Maja Strube. Als sie jedoch an jenem Tag im Mai 2011 aus der Vollnarkose erwachte, war auch ihr rechtes, das gesunde Bein,  verbunden. „Aus beiden ragten Wundwasserschläuche und ich merkte, dass mein linkes Bein taub war“, erinnert sich die Patientin. Was für ein Schock! Wenig später erfuhr sie vom Operateur, dass die vorgesehene Sehne im linken Bein zu dünn war und er sich für die Entnahme der Sehne aus dem rechten Bein entschieden hatte. Und über ihr taubes Bein sollte sie sich keine Sorgen machen.

Am 8. Juni 2011 wurde Maja Strube als „gehfähig“ aus der Klinik entlassen. Doch war sie das wirklich? „Paradoxerweise gab man mir einen Rollstuhl mit“, schüttelt sie den Kopf. „Und mein Bein fühlte sich an wie ein eingeschlafener Arm.“ Maja Strube setzte sich mit der Berufsgenossenschaft in Verbindung. Diese ordnete wegen des Verdachts einer Nervenquetschung weitere Untersuchungen an. Unfassbar: Obwohl ihr linkes Bein zu diesem Zeitpunkt praktisch gelähmt war, hielt man die junge Frau für gesund! Schließlich diagnostizierten die Ärzte eine „Dissoziative Bewegungsstörung“. Das bedeutet: Angeblich hatte Majas Gehirn die Bewegungen für das Bein vergessen. Doch auch heute sitzt die junge Frau noch im Rollstuhl. Sie ist sich sicher: „Die Ärzte haben mein Bein auf dem Gewissen!“

Maja Strube bekomme von der Berufsgenossenschaft Verletztengeld. „Aber ich muss mir jede Leistung erstreiten.“ Deshalb wird sie von Patientenanwalt Stefan Hermann aus Marl vertreten. „Meiner Mandantin steht Schmerzensgeld und ein Ausgleich für den Verdienstausfall zu“, sagt er. Die Klinik sieht das anders. Verwaltungschef Dietmar Ewerling: „Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Dass ein Nerv beschädigt wurde, ist anatomisch nicht möglich - einer Klage sehen wir gelassen entgegen.“
 

Westdeutsche Zeitung vom 02.02.2012 - Kunstfehler: Weitere Zahlung an Familie

Krefeld. Weitere 250 000 Euro hat die Versicherung des Uerdinger St. Josefshospitals an die Familie Abdi in Lank gezahlt – 14 Jahre nach den verhängnisvollen Fehlern bei der Geburt des Jungen Abschir. Damit sind bislang 650 000 Euro an Schadensersatz geflossen. „Die Aufwendungen aus der Vergangenheit sind damit abgegolten“: Das sagen unisono die Mutter des schwerstbehinderten Kindes und der Pressesprecher der Aachen-Münchener Versicherung, Andreas Krosta.

Bevor die WZ kurz vor Weihnachten erstmals über den Fall berichtete, sah es noch nach einem „Auf-Zeit-Spiel“ der Versicherung aus. Am Dienstag dieser Woche gab es mit allen Beteiligten Gespräch in der Kanzlei des Marler Patientenanwaltes Stefan Hermann, das von allen Seiten als „konstruktiv“ bezeichnet wird. Am 23. Februar wird eine neutrale Pflegegutachterin den Aufwand prüfen, der tagaus, tagein für Abschir Abdi nötig ist. Krosta: „Danach werden wir uns wieder zusammensetzen“. Mutter Muna Abdi könnte jetzt das Grundstück für ein behindertengerechtes Einfamilienhaus in Strümp kaufen. Allerdings muss noch das Familiengericht in Neuss zustimmen, dass der Sohn als Miteigentümer im Grundbuch eingetragen wird.

Die Versicherung von verantwortlichem Arzt und Klinik signalisiert, die Mehrkosten für den behindertengerechten Bau zu übernehmen sowie durch eine Zahlung auf Rentenbasis die lebenslange Pflege des Kindes zu gewährleisten.

Junge Familie kämpft gegen Pfusch in der Klinik

"Die Krankenschwester verbrannte meine Beine!"

Der zarte Körper in ihrem Arm und dieses unschuldige Lächeln erfüllten ihr Herz mit unendlicher Dankbarkeit. Für Nadine T. aus Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) war der 7. Oktober 2011 der schönste Tag in ihrem Leben: Ihr Sohn erblickte das Licht der Welt. Doch plötzlich widerfuhr der 24-Jährigen in der Klinik eine unfassbare Tragödie: „Eine unachtsame Krankenschwester verbrannte meine Beine“, klagt die junge Frau an. „Ich wurde durch diese Verletzung um die ersten Wochen mit meinem Baby betrogen. Lukas nimmt mich nicht als Mutter an.“

Weil die Geburt per Kaiserschnitt erfolgte, ließ sich die Verwaltungsangestellte von den Ärzten eine Rückenmarksspritze zur Betäubung geben - die Entbindung lief reibungslos. „Mutter und Kind wohlauf“, verkündete Ehemann David (24) die Botschaft in der Familie. Nach der Operation fror seine Frau im Wochenbett. „Ich bat die Schwester freundlich um eine Decke“, berichtet der Stahlarbeiter. „Doch sie brachte eine Wärmflasche mit einem dünnen Stoffbezug, legte sie auf Nadines Füße.“

Ein fataler Fehler: Der Unterleib der jungen Mutter war noch betäubt. Sie spürte nicht, wie die kochend heiße Wärmflasche ihre Haut verbrannte! Erst mitten in der Nacht bahnten sich die Schmerzen ihren Weg. Nadine: „Ich hatte ein starkes Brennen am rechten Fuß“. Die alarmierte Nachtschwester gab ihr ein Kühlkissen - und verschwand. Erst am nächsten Morgen entdeckte der Arzt bei der Visite  die eitrigen Brandblasen. Bis hoch zur Wade  hatten sich die Wunden ausgebreitet. Nadine erlitt an beiden Beinen Verbrennungen dritten Grades - bis fast auf die Knochen. Mit Hauttransplantationen versuchten die Mediziner die tiefschwarzen Stellen zu heilen.

„Da die Schmerztabletten, die Nadine nehmen musste, so stark waren, durfte sie Lukas nicht die Brust geben. Sie konnte ihn nicht wickeln und nicht tragen“, gesteht David traurig. „Diese Nähe fehlte unserem Baby sehr.“ Aufopfernd kämpfte der Ehemann für seine Familie. Erst nahm er seinen Jahresurlaub, dann eine unbezahlte Auszeit, um das Kind zu versorgen. „Bis heute gibt es keine Entschuldigung von den Ärzten oder Schwestern, die die schönste Zeit unseres Lebens zerstört haben“, beklagt er.

„Dieser Fall ist ein Skandal“, unterstützt ihn Patientenanwalt Stefan Hermann (46). Im Namen seiner Mandanten fordert er 50.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz von der Klinik. „Denn niemand dort hat bisher die Verantwortung übernommen“, so der Jurist. Dennoch blicken Nadine und David nach vorn, freuen sich über ihren Sohn. „Jetzt kuschelt Lukas schon mit mir“, freut sich die Mutter. Wir werden alles Versäumte nachholen.

RuhrNachrichten vom 27.01.2012 - Eingriff ohne Zustimmung

28-Jährige nach Kreuzband-OP an den Rollstuhl gefesselt

BOCHUM. Maja ist 28 Jahre alt und Physiotherapeutin. Doch die Bochumerin kann ihren Beruf nicht mehr ausüben, sie sitzt im Rollstuhl. Ohne ihre Einwilligung dehnten Ärzte eine Knie-Operation auf ihr gesundes Bein aus. Maja schaut aus dem Fenster. Die Sonne scheint. Gerne würde sie ein wenig nach draußen gehen. Doch die 28-Jährige kann nicht, denn ihre Beine versagen den Dienst. Ihr linkes ist fast komplett taub und bewegungsunfähig. Einen Schritt zu gehen ist unmöglich. Ihr rechtes ist so gereizt, dass sie im Stehen extreme Schmerzen hat. Beides sind die schlimmen Nachwirkungen einer eigentlich harmlosen Kreuzband-Operation

Arbeitsunfall

Vor knapp einem Jahr, im Februar 2011, verletzte sich die Physiotherapeutin bei einem Arbeitsunfall. Eine Patientin drohte zu fallen, Maja versuchte sie zu heben. Plötzlich ein stechender Schmerz, es macht „knack“ im Knie. Sie ahnte: Irgendwas ist kaputt gegangen. Dass dies der Anfang einer unglaublichen Krankheits- und Krankenhausgeschichte wird – sie konnte es nicht wissen. Heute, knapp ein Jahr später, kann und will sie über die schwere Zeit sprechen. Von Ende Mai bis Anfang September war ihr Alltag von Krankenbetten und Behandlungszimmern geprägt. Bis heute sind Schmerzen und Ungewissheit ihr täglicher, ihr quälender Begleiter. Immer wieder stellt sich die 28-Jährige die Frage: „Was ist damals schief gelaufen?“

Körpereigene Sehne

Damals, am 25. Mai 2011, bei der Kreuzband-Operation im Martin-Luther-Krankenhaus. Nach mehreren Untersuchungen bei unterschiedlichen Ärzten von Februar bis Mai lautete der Befund Kreuzbandriss. „Die Ärzte sagten mir damals, dass das vordere Kreuzband gerissen ist, beim hinteren waren sie sich nicht sicher.“ Maja willigte in die Operation ein, gab grünes Licht für die Methode, das zerstörte Band durch eine körpereigene Sehne aus dem linken, aus dem verletzten Bein zu ersetzen.

„Alles andere ist völliger Unsinn“, sagt die Physiotherapeutin. „Eine Operation an beiden Beinen gleichzeitig durchzuführen, davon haben wir den Patienten in der Physiotherapiepraxis immer abgeraten, da es wichtig ist, mindestens ein gesundes Standbein zu haben, um die Mobilität so schnell wie möglich wiederherzustellen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Für solch einen Eingriff hätte ich niemals, wirklich niemals, meine Zustimmung gegeben.“ Im Gefühl sich einem Routine-Eingriff zu unterziehen, wurde sie am Morgen des 25. Mai in den OP-Saal geschoben.

Das falsche Bein

Einige Stunden nachdem sie aus der Narkose erwacht war, spürte sie Schmerzen, starke Schmerzen im rechten Bein. Sie wunderte sich, schob vorsichtig die Decke beiseite, dann der Schock: „Oh Gott, die haben das falsche Bein operiert.“ Nein, schnell stellte sie fest, die haben mich an beiden Beinen operiert, ohne Zustimmung. Maja forderte eine Erklärung. „Die Sehne im linken Bein war zu dünn“, antwortete der Operateur. Eigenmächtig, so sagt Maja, habe er dann das rechte Bein geöffnet und dort die Sehne entnommen. „Sie haben jetzt ein „sehr dickes und stabiles Kreuzband“ . Ein Trost war das nicht. Im Gegenteil: „Ich dachte du A…., konnte aber nichts sagen, ich war zu perplex.“

Das linke Bein tat höllisch weh. „Trotz Schmerzkatheder war das kaum auszuhalten“, erinnert sie sich. „Und an vielen Stellen war das Bein taub.“ Die Ärzte erklärten ihr, erzählt sie heute, sie brauche Geduld, es würde sich schon geben. Aber es passierte nichts. Ein zwischenzeitliches Kribbeln in den Zehen, ein kleiner Hoffnungsschimmer, verschwand schnell wieder. Was blieb, waren die Schmerzen, das Gefühl der Taubheit und die Bewegungsunfähigkeit. „Es fühlte sich an wie eine betäubte Backe beim Zahnarzt“, sagt sie, das gelte für große Teile des Beins bis heute.

Neurologische Untersuchung

Eine zufrieden stellende Erklärung hat sie immer noch nicht. Auch externe Untersuchungen brachten kein Licht ins medizinische Dunkel. „Einmal“, sagt Maja, „wurde ich von einer Neurologin untersucht, sie hat mich gefragt, ob ich als Physiotherapeutin eine Erklärung habe. Da dachte ich nur, das kann nicht wahr sein.“ Und so ging der Untersuchungs- und Behandlungsmarathon weiter. Vom Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) wurde sie ins Bergmannsheil verlegt. Aber auch hier immer die gleichen Antworten auf die immer gleichen Fragen. Immer wieder wurde sie vertröstet. Zwischenzeitlich attestierten ihr die Mediziner eine dissoziative Bewegungsstörung. Das bedeutet: Sie hat ein Trauma, eine Kopfblockade.

„Manchmal habe ich mich echt verarscht gefühlt“, sagt Maja und erinnert sich zum Beispiel an den 8. Juni zurück. In ihren Entlassungspapieren aus dem MLK solle sie als „gehfähig“ eingestuft worden sei. Obwohl sie selbstständig noch keinen Schritt getan hatte – und mit einem Rollstuhl versorgt wurde. „Das war völliger Nonsens“, sagt Patientenanwalt Stefan Hermann. Der Jurist vertritt die Bochumerin, fordert Schadensersatz, eine sechsstellige Summe, vom MLK beziehungsweise von deren Versicherer.

Fristen verstrichen

Der hat sich aber bis heute nicht gemeldet, hat Fristen verstreichen lassen. „Das ist menschlich eine Schweinerei“, sagt der Jurist. Er ist dennoch guter Hoffung, dass seine Mandantin Recht – vielleicht sogar ein Stück Gerechtigkeit – bekommt. Er weiß aber: „Gut machen können wir damit nichts.“ Maja ist mittlerweile seit fünf Monaten zuhause, sie sitzt im Rollstuhl, ihren Job hat sie längst verloren. Sie hat sich zurecht gefunden, so gut es eben geht. Im Haushalt unterstützt sie ihr Freund. „Was ich alleine machen kann, das mache ich alleine“, sagt sie. Viel ist es nicht. Denn zuhause fehlen ihr die entsprechenden Möglichkeiten.

Wenig „Freigänge“

Ohne Treppenlift und speziellen Rohlstuhl ist sie an die Wohnung gefesselt – ausreichende Unterstützung von der Berufgenossenschaft bekomme sie nicht, sagt Maja. Das selbst zu finanzieren sei ihr nicht möglich. „Meine einzigen Freigänge sind die Tage, an denen ich von einem Transportdienst abgeholt werde und zum Arzt oder zur Physiotherapie gehen kann.“ Das ist zwei- bis dreimal die Woche, Tendenz fallend.Mehrmals täglich arbeitet die 28-Jährige daher auch zuhause für ein bisschen mehr Normalität. Für ihre ersten Schritte, gegen den Rollstuhl. Das Schmerzensgeld will sie in ihre Gesundheit stecken. Denn irgendwann „will ich das Scheißding in die Ecke stellen.“ Irgendwann will sie wieder anfangen zu arbeiten, als Physiotherapeutin. „Das ist mein Traumjob“. Und irgendwann will sie wieder nach draußen gehen, in die Sonne, ohne fremde Hilfe.

Auf einen Blick vom 26.01.2012 - Drama im Krankenhaus

"Vor den Augen einer Schwester stürzte mein Franz in den Tod"

Beate Solf wähnte ihren Mann nach einem Herzinfarkt in sicherer Obhut - doch dann geschah ein unfassbares Unglück…

Sie waren 44 Jahre lang verheiratet, hatten alle Höhen und Tiefen des Lebens zusammen gemeistert. „Es war nicht immer leicht“, erzählt Beate Solf (70) aus Voerde (Niederrhein) mit Tränen in den Augen, „aber Franz war meine große Liebe. Er war mein Rückhalt.“

Zwei geistig behinderte Söhne hatten sie aufopferungsvoll großgezogen und deswegen auf vieles verzichten müssen. Als der gelernte Schlosser und Schweißer nach einem Arbeitsunfall in Frührente gehen musste, freuten sich Beate und Franz Solf auf einen gemeinsamen, schönen Lebensabend. Doch dann machte dem damals 66-Jährigen das Herz zu schaffen. Als er nach einem Infarkt von seinem Fahrrad gestürzt und von einem Notarzt reanimiert worden war, wurde Franz Solf ins Marienhospital in Wesel eingeliefert. „Fünf Tage lag er dort auf der Intensivstation“, berichtet Beate Solf, die ihren Mann täglich besuchte. „Franz erkannte mich und redete auch mit mir, aber er war ziemlich verwirrt und desorientiert.“ Wegen weiterer Untersuchungen kam der Patient schließlich auf die Normalstation. Weil er spätabends plötzlich nach Hause wollte, irrte Franz Solf im Nachthemd und in Pantoffeln längere Zeit in den Fluren herum, ehe ihn eine Krankenschwester zurück in sein Zimmer brachte. „Dort wollte sie ihm zeigen, dass es draußen nass und kalt war und er deshalb nicht nach Hause könne“, sagt Beate Solf mit stockender Stimme und ergänzt: „Obwohl mein Mann aufgeregt und desorientiert war, öffnete sie ihm tatsächlich das Fenster!“ Dann geschah das Unfassbare:

Unter den Augen der Schwester kletterte der Rentner über einen Stuhl auf die Fensterbank, auf der er das Gleichgewicht verlor und aus dem ersten Stockwerk kopfüber in die Tiefe stürzte…

Für Franz Solf kam jede Hilfe zu spät. Er starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Die trauernde Witwe: „Warum nur hat die Krankenschwester das Fenster geöffnet und zugelassen, dass ein verwirrter Patient in den Tod stürzt?“ Eine Antwort auf diese Frage hat sie bis heute nicht bekommen. Von den Verantwortlichen wurde das Unglück als „bedauerlicher Vorfall“ abgehakt, polizeiliche Ermittlungen gab es keine. Darum hat Beate Solf mithilfe des Anwalts Stefan Hermann die Klinik auf Schmerzensgeld und Schadenersatz verklagt. Denn neben dem schmerzlichen Verlust hat die 77-Jährige auch mit finanziellen Problemen zu kämpfen: „Unsere Altersversorgung bestand überwiegend aus der Unfallrente meines Mannes, die seit seinem Tod weggefallen ist“, erklärt sie.

Zu einer Stellungnahme war das Marienhospital in Wesel nicht bereit. Auch auf einen Vergleichsvorschlag des Gerichts reagierten die Verantwortlichen nicht. „Man will mich wohl zu einem jahrelangen Prozess zwingen“, so Beate Solf. „Aber auch das stehe ich durch. Ich bin es meinem Mann schuldig!“

Bild-Zeitung vom 23.01.2012 - "In meiner Schulter steckt ein Bohrer"

Dorsten – Das tut weh! Hier hat der Arzt bei der OP eine abgebrochene Bohrerspitze vergessen...
Gerhard K. (76) trägt einen Verband an der linken Schulter. Täglich muss er zum Arzt, Wundflüssigkeit absaugen lassen. 2008 wurde dem pensionierten Maurer nach einem Skiunfall ein Schultergelenk eingesetzt – leider saß es nicht richtig.

Das Bergmannsheil bedauert den Vorfall, hat seine Versicherung eingeschaltet

Gerhard K.: „2009 setzte man mir im Bochumer Bergmannsheil eine andere Prothese ein. In der Reha stiegen plötzlich meine Blutwerte, eine Entzündung in der Schulter. Ich wurde punktiert, bekam Antibiotika.”
2011 wurde Gerhard K. wegen Darmproblemen behandelt. Weil er aber auch die Schmerzen in der Schulter nicht mehr aushalten konnte, wurde er in der Klinik geröntgt.

Der Schock: Auf dem Röntgenbild war eine abgebrochene Bohrerspitze zu sehen.

Gerhard K.: „Es hätte das komplette Gelenk herausgenommen werden müssen, um an den Bohrer zu kommen. Die Ärzte haben aber davon abgeraten, weil ich die OP wegen meines schwachen Herzens nicht überleben würde.“

Nun hat er Patientenanwalt Stefan Hermann (46) eingeschaltet. „Die Versicherung des Krankenhauses scheint auf Zeit zu spielen, was eine Unverschämtheit ist. Zahlt sie nicht bis Ende Januar 50 000 Euro, reichen wir Klage ein!“

Das Bergmannsheil in Bochum bestätigt den Vorfall.

Ein Sprecher: „Wir bedauern, dass es dazu gekommen ist, können nachvollziehen, dass der Vorgang für den Patienten belastend ist. Wir haben unseren Versicherer mit der Regelung des Vorganges beauftragt.“
 

Dorstener Zeitung vom 21.01.2012 - Bohrerspitze bei OP abgebrochen

Dorstener Gerhard Krebs fordert Schmerzensgeld vom Bochumer Bergmannsheil

DORSTEN/BOCHUM Seit drei Jahren leidet Gerhard Krebs unter starken Schmerzen in seiner operierten Schulter. Bis sich auf einem Röntgenbild die mögliche Ursache herausstellte: Im Schulterblatt-Bereich war eindeutig der Bohr-Einsatz eines OP-Bohrers zu erkennen. Nun fordert der Dorstener Rentner Schmerzensgeld.

Denn seit dieser Zeit ist das Leben des 76-jährigen Witwers erheblich beeinträchtigt. Er musste umziehen, da er auf die Hilfe der Familie seiner Tochter angewiesen ist. Alle paar Tage muss er zum Arzt, da sich auf Grund der OP eine chronische Infektion gebildet hat. Regelmäßig muss eine Fistel versorgt werden - die Wunde kann nicht dauerhaft verschlossen werden, da hierüber ein sich ständig entwickelndes Sekret ablaufen muss.

Der Leidensweg des Dorsteners begann im Winter 07/08, als er im Ski-Urlaub auf seine Schulter stürzte. Im Dorstener Krankenhaus bekam er daraufhin ein künstliches Gelenk eingesetzt, hatte aber danach mit anhaltenden Bewegungseinschränkungen zu kämpfen. Weswegen er ein Jahr später das Bochumer Bergmannsheil aufsuchte, wo ihm die Mediziner eine neue Schulterprothese einsetzten.

Doch auch danach war der Patient nicht beschwerdefrei, im Gegenteil. Nachdem er weitere Ärzte konsultiert hatte, fand schließlich ein Mediziner im Dorstener St.-Elisabeth-Hospital das OP-Werkzeug auf dem Röntgenbild. In Dorsten wurde Gerhard Krebs eigentlich wegen einer Darmerkrankung behandelt, dort berichtete er aber auch von seinen Schulterproblemen.

In einem Gelsenkirchener Krankenhaus wollte sich der Dorstener den Bohrer entfernen lassen, die Ärzte rieten aber ab: Der Eingriff sei zu risikoreich, da er bereits zwei künstliche Gelenke eingesetzt bekommen hatte. Es hätte eine Versteifung der Schulter gedroht.

Inzwischen hat Gerhard Krebs die Kanzlei des Marler Anwalts Stefan Hermann mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt. Der fordert nun von der Klinik Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von zusammen 63.000 Euro für seinen Mandaten, zudem 650 Euro monatliche fiktive Haushaltsführungskosten.

Das Bochumer Bergmannsheil erklärte, dass während der Operation die Bohrspitze eines OP-Bohrers abgebrochen sei. "Im Rahmen einer medizinischen Abwägung" sei diese im Schulterblatt verblieben, "da die mit einer operativen Entfernung verbundenen Risiken für Herrn Krebs belastender gewesen wären".
Die Klinik habe ihren Versicherer mit der Regelung des Vorgangs beauftragt. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Die Klinik bedauere den Fall: "Wir können nachvollziehen, dass der Vorgang für Herrn Krebs belastend ist."

Ruhr Nachrichten vom 20.01.2012 - Bohrerspitze bei OP abgebrochen

DORSTEN/BOCHUM Seit drei Jahren leidet Gerhard Krebs unter starken Schmerzen in seiner operierten Schulter. Bis sich auf einem Röntgenbild die mögliche Ursache herausstellte: Im Schulterblatt-Bereich war eindeutig der Bohr-Einsatz eines OP-Bohrers zu erkennen. Nun fordert der Dorstener Rentner Schmerzensgeld.

Denn seit dieser Zeit ist das Leben des 76-jährigen Witwers erheblich beeinträchtigt. Er musste umziehen, da er auf die Hilfe der Familie seiner Tochter angewiesen ist. Alle paar Tage muss er zum Arzt, da sich auf Grund der OP eine chronische Infektion gebildet hat. Regelmäßig muss eine Fistel versorgt werden - die Wunde kann nicht dauerhaft verschlossen werden, da hierüber ein sich ständig entwickelndes Sekret ablaufen muss.

Der Leidensweg des Dorsteners begann im Winter 07/08, als er im Ski-Urlaub auf seine Schulter stürzte. Im Dorstener Krankenhaus bekam er daraufhin ein künstliches Gelenk eingesetzt, hatte aber danach mit anhaltenden Bewegungseinschränkungen zu kämpfen. Weswegen er ein Jahr später das Bochumer Bergmannsheil aufsuchte, wo ihm die Mediziner eine neue Schulterprothese einsetzten.

Doch auch danach war der Patient nicht beschwerdefrei, im Gegenteil. Nachdem er weitere Ärzte konsultiert hatte, fand schließlich ein Mediziner im Dorstener St.-Elisabeth-Hospital das OP-Werkzeug auf dem Röntgenbild. In Dorsten wurde Gerhard Krebs eigentlich wegen einer Darmerkrankung behandelt, dort berichtete er aber auch von seinen Schulterproblemen.

In einem Gelsenkirchener Krankenhaus wollte sich der Dorstener den Bohrer entfernen lassen, die Ärzte rieten aber ab: Der Eingriff sei zu risikoreich, da er bereits zwei künstliche Gelenke eingesetzt bekommen hatte. Es hätte eine Versteifung der Schulter gedroht.

Inzwischen hat Gerhard Krebs die Kanzlei des Marler Anwalts Stefan Hermann mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt. Der fordert nun von der Klinik Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von zusammen 63.000 Euro für seinen Mandaten, zudem 650 Euro monatliche fiktive Haushaltsführungskosten.

Das Bochumer Bergmannsheil erklärte, dass während der Operation die Bohrspitze eines OP-Bohrers abgebrochen sei. "Im Rahmen einer medizinischen Abwägung" sei diese im Schulterblatt verblieben, "da die mit einer operativen Entfernung verbundenen Risiken für Herrn Krebs belastender gewesen wären".
Die Klinik habe ihren Versicherer mit der Regelung des Vorgangs beauftragt. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Die Klinik bedauere den Fall: "Wir können nachvollziehen, dass der Vorgang für Herrn Krebs belastend ist."
 

 

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Stefan HERMANN
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